Start Über Montessori

Konzept

Heidrun Pichler über Montessori

Ein großer Geist hat viel gegeben,
für uns alle, für das Leben.
Die Welt – sie ist nicht immer gut.
Was ist der Grund für diese Wut?

An den Wurzeln Leid beginnt:
Diese Wurzeln sind das Kind!
Drum fangen wir bei diesem an,
ein Wunder es bewirken kann.

Ja, lasst uns viel darüber denken,
ob Große, Kleine müssen lenken?
Oder, ob es besser ist –
Das Kind am eignen Sinn sich misst!

Dürfen wir aus unsrem Leben
Persönlichkeit dem Kinde geben?
Wächst gar in ihm ein eignes Leben?

Das Kind, es ist in unsern Fängen,
wolln unsren Willen auf es drängen.
Doch Schluss mit dieser Formerei,
das Kind sein eigner Bildner sei!

Wir, mit unsren vielen Lenzen
begreifen endlich jene Grenzen!
Beherrschung übe – immerdar,
so wird dem Kind sein Ziel gewahr.

Beobachtung hilft hier viel mehr,
und zeigt Dir Deines Kinds Begehr!
Greif´ nie ein, wenn´s Not nicht tut,
zerstörst sonst tiefe innre Glut!

Fragt es Dich um Hilfe gar,
kannst sagen Deinen Rat fürwahr.
Schutz und Pfleg sollst du ihm geben,
den Geist wird es sich selber weben!

Gutes Material gibt bald
Dem Kinde einen richtigen Halt.
Eine Umwelt schaff ihm nun,
die gerecht ist seinem Tun.

An diese Regeln wir uns halten,
lassen so das Leben walten.
Viel Übel aus der Welt verschwindet:
Charakter jetzt die Schwäche bindet!

Dieses – unserer Meinung nach sehr treffende - Zitat,
gefunden im Montessori-Praxisbuch,
wollen wir unseren Ausführungen voranstellen.

Montessori Pädagogik im Kinderhaus


Maria Montessori schrieb in einem ihrer Bücher: "Das Kind ist nicht ein leeres Gefäß, das wir mit unserem Wissen angefüllt haben und das uns alles verdankt. Nein, das Kind ist der Baumeister des Menschen."

Nach diesem Grundsatz richten wir unsere pädagogische Arbeit im Kinderhaus Storchennest aus.

Montessori Pädagogik in der Umsetzung bedeutet für uns vor allem:

  • das Kind in seiner Persönlichkeit achten, es als ganzen, vollwertigen Menschen erkennen und annehmen
  • seinen Willen entwickeln helfen, indem man ihm Raum für freie Entscheidungen gibt
  • ihm helfen, selbständig zu denken und zu handeln
  • dem Kind helfen, sich einzubringen in die Gesellschaft, die neben der Freiheit auch Disziplin erfordert
  • ihm Gelegenheit bieten, dem eigenen Lernbedürfnis zu folgen, denn Kinder wollen nicht nur irgend etwas lernen, sondern zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes – sensible Phasen!
  • ihm helfen, Schwierigkeiten zu überwinden statt ihnen auszuweichen.

Ebenso arbeiten wir mit dem von Maria Montessori konzipierten Entwicklungsmaterial. Sie entwickelte ein System didaktischer Materialien, um Kindern ein ganzheitliches und anschauliches Lernen mit allen Sinnen zu ermöglichen. Jedes Material vermittelt einen Lernschritt und ist auf eine Schwierigkeit begrenzt. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit des Kindes auf einen wesentlichen Lerninhalt.

Die Fehlerkontrolle liegt im Material, das Kind kann sich so gegebenenfalls selbst korrigieren und wird unabhängig von der Bewertung Erwachsener.

Diese Materialien lassen sich in folgende Bereiche unterteilen:

  • Übungen des täglichen Lebens (z. B. Rahmen mit Verschlüssen, Gießen mit Samenkörnern, usw.
  • Sinnesmaterial (z. B. Einsatzzylinderblöcke, Farbtäfelchen, Konstruktive Dreiecke, usw.
  • Sprachmaterial ( z. B. Sandpapier- Buchstaben, Leseklassifikation,  usw.)
  • Mathematikmaterial (z. B. Numerische Stangen, Goldenes Perlenmaterial, Tausenderkette, usw.)
  • Kosmisches Material (z. B. verschiedene Geografiepuzzle, Sandpapierglobus, biologische Kommode, usw.)

 

Nun einige Begrifflichkeiten, auf die Sie in der Montessori-Pädagogik immer wieder stoßen werden:

"Vorbereitete Umgebung": Die vorbereitete Umgebung dient dazu, dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich nach und nach vom Erwachsenen unabhängig zu werden. Daher muss die Umgebung des Kindes nach M. Montessori angemessen sein, z. B. kindgerechte Möbel, Spiel- und Arbeitsmaterial. Der Raum und die Materialien sollen klar gegliedert (z. B. in Materialbereiche) und geordnet sein.


"Arbeit“: Maria Montessori spricht nicht vom Spiel der Kinder, sondern von deren Arbeit. Grundvoraussetzung dazu ist die Ermöglichung von Erfahrungen in der vorbereiteten Umgebung, in der das Kind experimentieren kann. Dieses Experimentieren bezeichnet Maria Montessori als Arbeit der Kinder. Diese Arbeit geschieht unbewusst und bedarf nur geringer äußerer Motivation, ausreichend ist die innere – intrinsische – Motivation.


"Polarisation der Aufmerksamkeit": Polarisation heißt für Maria Montessori die Sammlung der Aufmerksamkeit, Vertiefung in eine Sache bei Loslösung von der Umgebung. Das Kind geht vollkommen in seiner Arbeit auf.


"Sensible Phasen": Die Entwicklung des Menschen teilt sich nach Montessori in verschiedene Stufen auf, in sogenannte sensible Phasen. Hier verfügt das Kind über bestimmte Empfänglichkeiten. In der jeweiligen Zeit fällt es dem Kind besonders leicht, sich besondere Fähigkeiten oder Fertigkeiten anzueignen.


"Fehlerkontrolle": Maria Montessori fügte jedem ihrer Materialien die Fehlerkontrolle bei, sodass das Kind – unabhängig vom Erwachsenen – erkennen kann, ob es richtig gearbeitet hat.

Maria Montessori

Maria Montessori (1870-1952) studierte als erste Frau Italiens Medizin. Ihre Erfahrungen als Ärztin mit geistig behinderten Kindern der psychiatrischen Universitätsklinik von Rom bildeten den Ausgangspunkt ihrer pädagogischen Ideen. Sie erkannte die große Bedeutung der Bewegung und der Sinnestätigkeit für die geistige Entwicklung. Auf der Grundlage der französischen Behindertenpädagogik erarbeitete sie ihr didaktisches Sinnesmaterial zur Förderung behinderter Kinder und erzielte erstaunliche Lernerfolge. Nach diesen ersten positiven Erfahrungen entwickelte sie in den folgenden Jahrzehnten eine allgemeine, umfassende Pädagogik für die Erziehung nicht behinderter Kinder.

Nach Auffassung von Maria Montessori ist das Kind fähig, durch individuelle Unterstützung seine Persönlichkeit selbst aufzubauen, wobei seine Entwicklung inneren Gesetzen folgt. Es verfügt von Geburt an über eine natürliche Aktivität, strebt danach, seine Umwelt zu entdecken und lernt durch Tätigsein. Der Erwachsene hat ihrer Meinung nach die Aufgabe, dem kindlichen Entwicklungsdrang Raum zu geben, ihn zu bejahen und mit Liebe und Respekt zu begleiten.

Maria Montessori versteht Erziehung als Hilfe zum Leben. Sie möchte mit ihrer Pädagogik dem Kind die Möglichkeit geben, sich zu einem seelisch ausgeglichenen Menschen zu entwickeln, zu einem verantwortungsbewussten Erwachsenen, der sozial denkt und handelt und sich als mündigen Bürger in einer demokratischen Gesellschaft begreift.

Die zarte kindliche Seele mehr als alles andere zu schützen, denn sie hat nicht die Kraft, sich gegen die Unterdrückung durch Erwachsene zu wehren.“ Maria Montessori